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Occupancy Rate

Definition

Der Prozentsatz der geplanten Arbeitszeit, in der Agents aktiv Kundeninteraktionen bearbeiten. Eine zu hohe Occupancy Rate führt zu Burnout, eine zu niedrige zu Ineffizienz.

Formel

Bearbeitungszeit
Verfügbare Zeit
×100

Auch bekannt als

Auslastungsrate, Belegungsrate, Agent Occupancy

Kategorie

Workforce Management & Produktivität

Occupancy Rate Rechner

Ergebnis

Gib beide Werte ein, um Deine Occupancy Rate zu berechnen.

Was ist die Occupancy Rate?

Die Occupancy Rate (deutsch: Auslastungsrate) misst den Anteil der verfügbaren Arbeitszeit, in der Contact-Center-Agenten aktiv mit Kundeninteraktionen beschäftigt sind. Aktive Beschäftigung umfasst Gesprächszeit, Haltezeit und Nachbearbeitungszeit (After-Call Work). Nicht eingerechnet werden Wartezeit auf den nächsten Anruf, Pausen und Schulungen.

Die Occupancy Rate ist eine Gratwanderung. Zu niedrig bedeutet Überbesetzung und verschwendete Ressourcen. Zu hoch bedeutet, dass Agenten ohne Pause von einem Gespräch ins nächste wechseln, was zu Burnout, steigender Fluktuation und sinkender Servicequalität führt. Laut COPC übertreffen Contact Center mit 75–85 % Occupancy konstant solche mit über 90 %, sowohl bei Kundenzufriedenheit als auch bei Agent Retention.

Wie die Occupancy Rate berechnen?

Formel
Occupancy Rate = (Bearbeitungszeit ÷ Verfügbare Zeit) × 100

Die Bearbeitungszeit (Total Handle Time) setzt sich zusammen aus:

  • Gesprächszeit (Talk Time): Die Zeit, in der Agent und Kunde sprechen
  • Haltezeit (Hold Time): Die Zeit, in der der Kunde in der Leitung wartet
  • Nachbearbeitungszeit (After-Call Work): Dokumentation, Ticketpflege, Follow-up-Aufgaben

Rechenbeispiel

Ein Agent ist 480 Minuten (8 Stunden) als verfügbar eingeloggt. In dieser Zeit entfallen 384 Minuten auf Gespräche, Haltezeit und Nachbearbeitung.

Berechnung
OR = (384 ÷ 480) × 100
Ergebnis
80,0 %

Mit 80,0 % liegt der Agent im optimalen Bereich. Er hat 96 Minuten (20 %) für Kurzpausen, administrative Aufgaben und Erholung zwischen den Gesprächen.

Occupancy Rate Benchmarks

BereichBewertungAuswirkung
< 70 %ÜberbesetztHohe Personalkosten pro Kontakt, Agenten haben zu wenig Auslastung
70–75 %Leicht unter ZielAkzeptabel bei hoher Kontaktkomplexität
75–85 %OptimalBeste Balance aus Effizienz, Qualität und Agentengesundheit
85–90 %ErhöhtErste Anzeichen von Stress, steigende AHT durch Ermüdung
> 90 %KritischNahezu keine Pause zwischen Gesprächen, hohes Burnout-Risiko und steigende Fluktuation

Contact Center, die dauerhaft über 90 % operieren, verzeichnen typischerweise eine steigende Average Handle Time, da ermüdete Agenten langsamer arbeiten. Die vermeintliche Effizienz hebt sich dadurch selbst auf.

Quellen: Call Centre Helper, Calabrio, Nextiva

Occupancy Rate optimieren

Workforce Management präzisieren. Die Occupancy Rate hängt direkt vom Verhältnis zwischen Anrufvolumen und eingesetztem Personal ab. Bessere Prognosemodelle für das Kontaktvolumen ermöglichen eine genauere Schichtplanung.

After-Call Work reduzieren. Automatische Gesprächszusammenfassungen, vorbefüllte Ticket-Templates und CRM-Integration verkürzen die Nachbearbeitungszeit und senken die Occupancy Rate ohne Qualitätsverlust.

Blended Agents einsetzen. Agenten, die zwischen Inbound und Outbound wechseln können, gleichen natürliche Schwankungen im Anrufvolumen aus. In Phasen mit wenig eingehenden Anrufen bearbeiten sie ausgehende Rückrufe oder E-Mails.

Pausen aktiv managen. Statt starre Pausenzeiten vorzugeben, ermöglicht Echtzeit-Monitoring flexible Pausen in Zeiten mit geringem Volumen. Das hält die Occupancy in Spitzenzeiten hoch, ohne Agenten zu überlasten.

Self-Service-Angebote ausbauen. FAQ-Portale, Chatbots und IVR-Selbstbedienung reduzieren das eingehende Kontaktvolumen. Weniger einfache Anfragen bedeuten, dass Agenten mehr Zeit pro komplexem Kontakt haben, ohne dass die Occupancy in den kritischen Bereich steigt.

Occupancy Rate vs. Utilization Rate vs. Shrinkage

MetrikWas sie misstBezugsgrößeTypischer Benchmark
Occupancy RateKundenbezogene ArbeitszeitVerfügbare (eingeloggte) Zeit75–85 %
Utilization RateGesamte produktive ZeitBezahlte Arbeitszeit (inkl. Meetings, Schulung)80–90 %
ShrinkageUnproduktive ZeitGeplante Arbeitszeit25–35 %

Der Unterschied ist wichtig: Ein Agent mit 80 % Occupancy Rate und 85 % Utilization Rate verbringt einen Teil seiner nicht-kundenbezogenen Zeit mit produktiven Aufgaben wie Schulungen. Die Occupancy Rate allein betrachtet unterschätzt also die tatsächliche Produktivität. Umgekehrt kann eine hohe Utilization Rate eine niedrige Occupancy Rate verbergen, wenn Agenten viel Zeit in Meetings verbringen statt Kunden zu betreuen.

Pro und Kontra der Occupancy Rate

Pro

  • +Direkter Indikator für die Effizienz der Personalplanung
  • +Hilft, Über- und Unterbesetzung zu erkennen
  • +Einfach aus ACD-Daten ableitbar, keine Umfragen nötig

Kontra

  • Hohe Occupancy kann mit sinkender Servicequalität und steigender Fluktuation einhergehen
  • Berücksichtigt keine produktiven Nicht-Kundentätigkeiten (Coaching, Schulung)
  • Schwankt stark im Tagesverlauf und sollte nicht als Tagesdurchschnitt allein betrachtet werden
  • Wird leicht als 'je höher, desto besser' fehlinterpretiert

Einfluss von KI auf die Occupancy Rate

KI verändert die Occupancy Rate in mehrere Richtungen. KI-Chatbots und Voicebots übernehmen einfache, repetitive Anfragen vollständig. Das reduziert das Kontaktvolumen für menschliche Agenten und kann die Occupancy Rate senken, es sei denn, die Personalplanung wird entsprechend angepasst.

Gleichzeitig verkürzt KI-gestützte Nachbearbeitungsautomatisierung (automatische Gesprächszusammenfassungen, CRM-Einträge) den ACW-Anteil der Bearbeitungszeit. Das senkt die Occupancy Rate bei gleicher Gesprächsanzahl und gibt Agenten mehr Erholungszeit zwischen komplexen Kontakten.